Christian ('85)
Ich bin 40 Jahre alt. Als ich vor 2 Jahren anfing Aikido zu üben, hatte ich zuvor Zweifel, ob ich nicht schon zu alt wäre um wieder mit dem Kampfsport anzufangen. Als Kind und Jugendlicher habe ich mit großer Begeisterung Judo und später JuJutsu trainiert. Obwohl ich als Heranwachsender den Kontakt zum Budo verloren habe, war es eine sehr wichtige Zeit für mich, in der ich ein ausgeprägtes Körpergefühl entwickeln konnte. Gerade im Judo wurde als allgemeine Körperschule sehr viel geturnt und die Fallschule ging so stark in das Körpergedächtnis über, dass ich auch noch Jahre nach dem Training, stolpern oder ausrutschen verletzungsfrei überstanden habe. Nichtsdestotrotz hatte ich immer den Wunsch eventuell wieder anzufangen und am liebsten auch Aikido zu machen. Aber wie das Leben so laufen kann; Studium, Arbeit, Kinder, es gibt genügend Gründe, um einen Neubeginn herauszuzögern. Letztlich habe ich allerdings mit meinem endenden dritten Lebensjahrzehnt gespürt, dass ich körperlich stark abgebaut habe. Ganz abgesehen von extremen Kopf- und Rückenschmerzen, fielen mir alltägliche Situationen wie Schuhe anziehen oder schnell die Treppen zum S-Bahnhof nehmen immer schwerer. Wieder Sport zu machen war zu diesem Zeitpunkt ein Vorsatz, von dem ich mir noch nicht viel Versprach, aber dem ich dennoch eine Chance geben wollte.
Auf der Internetseite vom Tendoryu Aikido in Steglitz stand, dass man mit jedem Alter Aikido lernen könne. Also nahm ich meinen Mut zusammen und erschrak, als ich nach fünfundzwanzig Jahren wieder auf einer Tatami stand; In meiner Erinnerung war die doch viel weicher?! Und bei diesem Schrecken sollte es nicht bleiben. Nach der ersten Trainingseinheit schwirrte mir der Kopf wie nach der ersten Fahrschulstunde und in den darauffolgenden drei Tagen hatte ich einen Muskelkater aus der Hölle. Ich konnte kaum laufen, geschweige denn sitzen. Davon so erschrocken, nahm ich mir vor, die nächsten Monate beim Aikido zu bleiben. Einmal die Woche trainieren, um dann nach ein paar Monaten eine Entscheidung zu treffen, ob das etwas für mich ist oder nicht. Und um die nächsten Zeilen vorwegzunehmen, Aikido lernen ist schwer. Ich habe Monate gebraucht um auch nur ansatzweise zu verstehen, was ich da eigentlich immer und immer wieder versuche. Mir erschien Aikido wie eine Sprache, deren Vokabeln oder Syntax ich nicht erkenne. Schon direkt nach dem Training konnte ich Bewegungsabläufe nicht mehr erinnern und schon gar nicht benennen. Ich war auch erstaunt bis entsetzt, wie wenig von der in der Kindheit erlernten Fallschule aus dem Judo noch vorhanden war. Zumal das Fallen beim Aikido anders funktioniert. Mir ist lediglich das körperliche Selbstverständnis geblieben, mit Vertrauen in die Fallschule zu gehen und es sehr ernsthaft und aufmerksam zu üben, mit dem erklärten Ziel wieder selbstverständlich, schmerzfrei und weich nach vorne zu rollen. Und dann kam auch bald die Freude. Mit der Freude zusätzlich zum Donnerstagstraining das Training am Sonntag, nach einem halben Jahr konnte ich die ersten Bewegungen erkennen und aus Freude wurde Begeisterung. Ich versuche so häufig wie möglich zum Training zu gehen und es auch ganz klar zu priorisieren. Wenn es der Alltag zulässt, dreimal die Woche. Mittlerweile kann ich die Schwierigkeit von Aikido genießen. So komisch es auch klingen mag, manchmal freue ich mich schon am Dienstag wieder darauf am Donnerstag „zu fallen“. Ich habe auch akzeptiert, dass ich es nicht „schneller“ lernen kann oder abkürzen. Ich kann nur beharrlich üben und bei mir bleiben. Das ist für mich auch ein großer Vorzug für diese Kampfsportart. Es gibt im Grunde keine kompetitive Komponente. Am Ende einer Übung gibt es keine Sieger. Wir trainieren in einer sehr rücksichtsvollen und freundschaftlichen Atmosphäre als Gemeinschaft und doch bleibt letztlich jede Person bei sich selbst. Es gibt daher die Möglichkeit sehr unterschiedlich und angepasst an die eigenen Möglichkeiten zu trainieren und sich weiterzuentwickeln. Ich bin sehr froh, dass ich auch nach zwei Jahren Trainingseinheiten habe, nach denen ich noch immer richtigen Muskelkater habe und denke „Wahnsinn, dass war wirklich etwas“. Das hängt mit Sicherheit auch an der hohen Anzahl an Trainern in der Gruppe zusammen. Ich lerne immer etwas. Bekomme immer wertvolle Korrekturen und es bleibt immer anspruchsvoll. Eine gewisse Frustrationstoleranz ist sicherlich sehr hilfreich für das Üben von Aikido. Es wird mit der Zeit nicht leichter aber es wird klarer.
Ich glaube nicht, dass es sinnvoll beziehungsweise effektiv ist, zum Training zu kommen, weil man Selbstverteidigung lernen möchte. Aber wenn man BUDO trainieren möchte, durchaus auch mit einem athletischen Anspruch, dann ist Aikido mit seinem sehr anspruchsvollen Ukemi (Fallschule) sicherlich einen Versuch wert. Da wir bei den Übungen viel fallen, stehen wir auch viel wieder auf. Und hier beginnt auch ein wichtiger Aspekt, der einen unmittelbaren Einfluss auf den Alltag hat – Muskulatur. Wer regelmäßig Aikido übt, arbeitet an der Bein-, Gesäß- und Rückenmuskulatur. Man arbeitet an der eigenen Mobilität, Koordination, Wahrnehmung und Timing. Während des Trainings muss ich sehr fokussiert sein und es bleibt keinerlei Platz für Grübelei oder Abschweifungen. Daher ist jede Trainingseinheit so wertvoll für mich. Es ist tatsächlich eine ganzheitliche Betätigung von Körper und Geist, in einer Gemeinschaft und mit dem potential sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Jörg ('60)

Ich bin seit Mitte März 2024 dabei. Die Internetseite hat meine Aufmerksamkeit geweckt. Nach knapp acht Jahren Krav Maga wollte ich was anderes ausprobieren. Ich habe mich also einfach zum Probetraining angemeldet und teilgenommen. Die ersten Trainingseinheiten haben mich überzeugt weiterzumachen.
Hier werden Neuanfänger wie Bestandsmitglieder behandelt. Aikido ist natürlich was ganz anderes, als was ich beim Krav Maga gelernt habe. Beim Aikido sind besonders die Fallschule, das Gleichgewicht und das Abrollen wichtig. Das lernt man hier, regelmäßige Trainingsbesuche sind dafür Voraussetzung. Für mich ist das Aikidotraining eine gute Möglichkeit meine Koordination und meine Fitness zu verbessern.
Bei den geübten Techniken wird der gesamte Körper, besonders die Hüften und Beine eingesetzt, um Kraft und Gleichgewicht zu erzeugen. Ich finde, dass die grundlegenden Bewegungen im Aikido schwer zu lernen sind. Mir fehlt da noch die gewisse Lockerheit.
Fazit: Es macht mir immer Freude zum Training zu gehen. Die Übungen verbessern die Beweglichkeit meiner Gelenke und helfen mir Muskelmasse zu erhalten. Das regelmäßige Training baut Ausdauer und Kraft auf. Außerdem, kann ich beim Training gut den normalen Alltagsstress vergessen.
Simon ('86)

Ich habe in meinem Leben schon Sportarten wie Fußball, Rugby und Basketball probiert, aber Kampfsport war bisher immer ein rotes Tuch für mich: Gewalt ist eher eine Ursache, denn Lösung für Probleme!
Die runden Bewegungen, die Körperhaltung — aufrecht und mit dem Partner im Fluß sein — das erinnerte mich dann zunächst an Tanzstunden mit meiner Frau. Nur tritt man sich beim Aikido nicht auf die Füße, sondern landet eher an der Wand. Die Achtsamkeit wird unglaublich geschult, man bewegt sich immer mit seinem Zentrum, immer bewusst. Beim Aikido ringt man niemanden nieder. Durch das Aufnehmen der Energie und gezielter Hebel oder Griffe (die einen auch schonmal von Nackenschmerzen befreien oder welche verursachen) bringt man seinen Gegenüber aus ihrer/seiner Mitte und schließlich zu Boden.
Am meisten beim Aikido beeindruckt mich die entspannte und lockere Atmosphäre. Wir lernen miteinander und im individuellen Tempo. Die Übungen haben nicht nur durch ihre Komplexität einen besonderen Reiz, sondern machen sich die simplen Eigenschaften der menschlichen Anatomie zunutze.
Elyssa ('93)

Sport war schon immer eine Leidenschaft von mir. Dennoch gab es eine circa 2 jährige Pause, als ich mein Studium zur sozialen Arbeit begann. Nach dieser Zeit bemerkte ich, dass mir etwas fehlte und beschloss das zu ändern. An ein altes Hobby wie Ballett, Karate oder Breakdance wollte ich nicht anknüpfen. Es sollte eine neue Herausforderung sein. Da kam mir Aikido in den Sinn.
Die Idee, die Energie des Angreifers zu nutzen und diese, in neue Wege zu leiten, gefiel mir. Praktisch für Frau, da Angreifer oftmals größer und kräftiger sind und diese Kampfkunst sich eben nicht, über körperliche Stärke definiert. In meiner Probestunde war ich dann fasziniert von den eleganten Bewegungen, die einen fast spielerischen Charakter hatten. Dieser Effekt wurde von dem traditionellen Gewand noch untermalt.
Schnell fühlte ich mich herausgefordert, denn Aufmerksamkeit, Koordination, Gleichgewicht und Ausdauer waren gefragt. Dies ließ sich eher steif und schwerfällig, als elegant und einfach über die Matte bringen. Damit wollte ich mich nicht zu Frieden geben und trainiere nun zweimal wöchentlich. Für mich ist es die Entlastung, die mir gefehlt hat. Eine Herausforderung, die Spaß macht und mich körperlich, als auch geistig mit neuer Energie versorgt.
Georg ('82)

Angefangen habe ich Aikido wegen der Fallschule, dem mühelosen Abrollen, das habe ich schon als Kind bei anderen bewundert und sich selbst verteidigen können, das hat mir auch gefallen. Für Aikido bist du nie zu alt.
Im Laufe der Zeit habe ich bemerkt, die beste Selbstverteidigung ist, negative Energien in positive umzuwandeln, den Gegner zu verstehen und den Konflikt friedlich zu lösen. Aikido ist für mich eine körperliche Übungsform der gewaltfreien Kommunikation. Du lernst die eigenen Energien kennen und stärkst dein Selbstvertrauen.
Außerdem übe ich mit dieser weichen Kampfkunst, meine Aufmerksamkeit, meine Konzentration und Koordination und meinen maroden Gelenke tut das Training auch gut. Ich komme gerne zum Training. Die Gruppe ist aufgeschlossen, sympathisch und ermutigt dich geduldig, wenn es mal nicht so gut läuft.
Robert ('65)

Ich habe im Februar 2014 mit Aikido angefangen, also im "zarten Alter" von 48 Jahren. Ich war nie ein großer Sportler, und mit Kampfsport hatte ich bis dahin überhaupt nichts zu tun gehabt.
Es gab eine Zeitungsannonce, und ich sagte mir, gehst Du mal hin. Ich bin dabeigeblieben, vielleicht auch, weil es im Aikido eben nicht um das Kämpfen gegeneinander geht, sondern um Bewegungstechniken, Timing, Harmonie und Gefühl für den eigenen Körper. Es schadet sicherlich nicht, daß ich hier auf geduldige Trainer und "Gegner" getroffen bin, die Techniken mit mir gefühlte tausendmal wiederholt haben, die ich nicht kapiert oder beim nächsten Training wieder vergessen habe. Irgendwann fing es auch an, Spaß zu machen, besonders, wenn endlich mal was geklappt hat.
Nach jetzt fast anderthalb Jahren habe ich festgestellt, daß man von dem Aikido Training schon sehr profitiert. In meiner Wahrnehmung haben sich meine körperliche Verfassung, Beweglichkeit und Koordination spürbar verbessert. Aber man muß dabei bleiben, es ist immer Luft nach oben.
